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Car-Policy: Ist eine Reglementierung der Motorenwahl sinnvoll?

Der Treibstoffverbrauch hängt von der Motorisierung ab. Das ist heutzutage jedem geläufig. Doch die Motorenwahl beeinflusst nebst dem Treibstoffverbrauch auch weitere Kostenbereiche und kann dementsprechend zu hohen Folgekosten führen. Wussten Sie beispielsweise, dass die Reifenkosten bei einem um 10 PS stärkeren Motor um 63 % höher ausfallen können? Oder, dass ein stärkerer Motor 39 % höhere Wartungs- und Verschleißkosten verursachen kann? Sollten Ihnen diese Zusammenhänge neu sein, sind Sie damit sicher nicht alleine.

In diesem Beitrag werden wir Ihnen deshalb den Zusammenhang zwischen Motorgröße und Kosten näher erläutern, um Ihnen dabei zu helfen, faktenbasierte und informierte Entscheide in Ihrem Fuhrpark zu treffen.

Bei Avrios helfen wir mit Fuhrparkmanagement-Software und Beratung, sowie Fuhrparkdienstleistungen täglich über 600 Kunden ihre Kostentreiber und Optimierungspotenziale im Fuhrpark zu verstehen und zu managen. Einer unserer Kunden erkundigte sich kürzlich, ob es sich lohnen würde, die Motorenwahl in der Car-Policy zu definieren oder zumindest einzuschränken. Um unseren Kunden bei seiner Entscheidung zu unterstützen, erstellten wir für ihn einen Kostenvergleich. Hierfür verglichen wir mit ihm zusammen aktuelle Angebote und ergänzten Daten zu Reparaturen sowie Services aus der in Avrios gepflegten Fahrzeughistorie eines Vorgängermodells. Da die Ergebnisse dieses Kostenvergleichs auch für die Car-Policy anderer Unternehmen von Relevanz sind, möchten wir die Resultate mit Ihnen in diesem Beitrag teilen.

Weshalb sich ein Blick auf die Motorenwahl lohnt

Die Motorenwahl führt zu Folgekosten in den folgenden fünf Bereichen:

  • Anschaffungspreis
  • Treibstoffkosten
  • Reifenkosten
  • Wartungs- und Verschleißkosten
  • Steuern

Nachfolgend gehen wir auf diese fünf Bereiche einzeln ein und verdeutlichen den Einfluss der Motorenwahl jeweils anhand der Berechnung, die wir gemeinsam mit unserem Kunden durchgeführt haben.

Für den Kostenvergleich wurde ein Mittelklassewagen eines deutschen Automobilherstellers mit einem Anschaffungspreis von ca. 30.000 Euro verwendet. Das Vergleichsmodell wurde unter analogen Ausstattungsbedingungen, mit einer identischen Leasingdauer von drei Jahren und identischer Laufleistung von 150.000 Kilometern zusammengestellt. Der einzige Unterschied war, dass Fahrzeug 1 mit einem 170 PS-Motor und Fahrzeug 2 mit einem Motor von 180 PS-Motor ausgestattet wurde.

Einfluss der Motorisierung auf den Anschaffungspreis

Die Leasingrate hängt von diversen Faktoren ab, wird jedoch besonders stark vom Anschaffungs- resp. Listenpreis abzüglich des Wiederverkaufswerts am Ende der Leasingdauer beeinflusst. Bei einem Fahrzeug mit stärkerem Motor können sich sowohl der Anschaffungs- resp. der Listenpreis als auch der Wiederverkaufswert negativ auf die Leasingrate auswirken.

Ein Fahrzeug mit größerem Motor hat einen höheren Anschaffungspreis und demzufolge eine höhere LeasingrateEin höherer Kaufpreis muss nicht zwingend auch zu einem höheren Wiederverkaufswert führen. Aufgrund des höheren Treibstoffverbrauchs eines größeren Motors interessieren sich weniger Käufer im Gebrauchtwagenmarkt für diese Fahrzeuge. Angesichts der kleinen Nachfrage muss unter Umständen zum gleichen oder manchmal sogar niedrigeren Preis verkauft werden, als dies bei einem kleineren Motor der Fall wäre. Das Problem beim Vertragsabschluss ist, dass Leasinggesellschaften nicht wissen, wie der Wiederverkaufswert zum Vertragsende sein wird. Das bedeutet, selbst wenn aufgrund guter Konjunkturdaten die Gebrauchtwagenpreise für großmotorige Fahrzeuge aktuell gut sind, müssen Leasinggesellschaften das Risiko einer schlechten Konjunktur mit niedrigen Wiederverkaufswerten bei der Leasingrate einkalkulieren.

Der Anschaffungspreis von Fahrzeug 1 beläuft sich auf 28.991,23 € und jener von Fahrzeug 2 auf 30.877,19 €. Die bei Fahrzeug 2 entstehenden Mehrkosten von 1.885,96 € (+ 6,5 %) werden über die drei Jahre der Leasingdauer auf die monatlichen Leasingraten verteilt belastet (52,39 € pro Monat). In dieser Berechnung gehen wir davon aus, dass der Wiederverkaufswert beider Fahrzeuge gleich ist.

Einfluss der Motorisierung auf die Treibstoffkosten

Ein Fahrzeug mit einem stärkeren Motor verbraucht auf einer gewissen Strecke mehr Treibstoff, als eines mit schwächerem Motor. Der um 10 PS stärkere Motor aus unseren Untersuchungen benötigt nach Herstellerangaben 0.7 Liter mehr pro 100 Kilometer als der schwächere Motor.

Fahrzeug 1 hat einen Durchschnittsverbrauch von 6,1 Litern pro 100 Kilometer. Der Durchschnittsverbrauch von Fahrzeug 2 beläuft sich auf 6,8 Liter pro 100 Kilometer. Bei Kraftstoffkosten von 1,20 € summieren sich die Treibstoffkosten von Fahrzeug 1 über die drei Jahre auf 10.980 € und jene von Fahrzeug 2 auf 12.240 €. Es entstehen bei Fahrzeug 2 folglich Mehrkosten von 1.260 € (+ 11,47 %).

Einfluss der Motorisierung auf die Reifenkosten

Ein Fahrzeug mit stärkerem Motor benötigt breitere Reifen als eines mit schwächerem Motor. Die breiteren Reifen sind aus zwei Gründen erforderlich: Zum einen ist bei einem Motor mit mehr PS eine größere Auflagefläche nötig. Zum anderen sind die Bremsbacken größer. Mit der Breite des Reifens steigt dessen Preis. Deshalb sind die Reifen bei einem stärkeren Motor teurer.

Weiterhin kann ab einer gewissen Reifenbreite unter Umständen nicht mehr zwischen Stahl- und Alufelgen gewählt werden. In unserem Modellauto gab es beim größeren Motor nur noch die Möglichkeit Alufelgen zu nutzen, welche wiederum teurer sind als Stahlfelgen.

Bei einer Leasingdauer von drei Jahren und einer Laufleistung von 150.000 Kilometern werden erfahrungsgemäß ein Satz Sommerreifen und zwei Sätze Winterreifen plus einem Satz Felgen für die Winterreifen zur Auslieferungsbereifung benötigt. Bei Fahrzeug 1 belaufen sich die Kosten hierfür insgesamt auf 1.353,24 € (vier Sommerreifen: 331,76 €; acht Winterreifen: 842,56 €; vier Stahlfelgen: 178,92 €). Bei Fahrzeug 2 summieren sich die Kosten auf 2.207,68 € (vier Sommerreifen: 666,40 €; acht Winterreifen: 1.180,88 €; vier Alufelgen: 360,40 €). Somit entstehen bei Fahrzeug 2 Mehrkosten von 854,44 € (+ 63,14 %).

Einfluss der Motorisierung auf Wartungs- und Verschleißkosten

Für Werkstattaufenthalte ist bei Fahrzeugen mit stärkerem Motor mit höheren Materialkosten zu rechnen. Die höheren Materialkosten entstehen durch teurere Verschleißteile wie bspw. der größeren Bremsanlage, den Kraftstofffiltern und der größeren Ölwanne.

Höhere Materialkosten bei stärkerem Motor

Klicken Sie auf die Tabelle, um diese zu vergrößern

Während einer Leasingdauer von drei Jahren mit einer Laufleistung von 150.000 Kilometern fallen erfahrungsgemäß fünf Werkstattaufenthalte an. Die Kosten dieser fünf Werkstattaufenthalte summieren sich bei Fahrzeug 1 auf insgesamt 1.119,15 € und bei Fahrzeug 2 auf insgesamt 1.561,58 €. Bei Fahrzeug 2 fallen somit Mehrkosten von 442,43 € (+ 39,53 %). Wenn Ihr Fuhrpark die Services über ein Full-Service-Leasing abwickelt, fallen die Wartungskosten dementsprechend höher aus.

Einfluss der Motorisierung auf die Steuern

Die jährlich anfallende Kfz-Steuer hängt von drei Faktoren ab: der Art des Motors (Benzin oder Diesel), dem Hubraum und der CO2-Emission. Mit einem stärkeren Motor sind sowohl der Hubraum als auch die CO2-Emission größer, was zu einer höheren Kfz-Steuer führt.

Die Kfz-Steuer für ein spezifisches Fahrzeug können Sie mit dem Kfz-Steuer-Rechner von Steuerberaten.de berechnen.

Die jährliche Kfz-Steuer von Fahrzeug 1 entspricht 322 €. Bei Fahrzeug 2 fällt eine Kfz-Steuer in Höhe von 426 € pro Jahr an. Die jährliche Differenz von 104 € beläuft sich in den drei Jahren auf Mehrkosten von 312 € (+ 32,30 %).

Fazit

Insgesamt entstehen bei Fahrzeug 2 über die drei Jahre Mehrkosten von 4.754,83 € (+ 10,95 %). Wie aus den Berechnungen ersichtlich ist, hat die Wahl des Motors prozentual einen sehr großen Einfluss auf die Reifenkosten (mit unterschiedlicher Felge) (+ 63,14 %), starken Einfluss auf die Wartungs- und Verschleißkosten (+ 39,53 %) sowie die Kfz-Steuer (+ 32,30 %) und mäßigen Einfluss auf die Treibstoffkosten (+ 11,47 %) sowie den Anschaffungspreis (+ 6,5 %). Werden die Mehrkosten pro Kostenart absolut betrachtet, sind insbesondere die zusätzlich anfallenden Belastungen beim Anschaffungspreis, den Treibstoffkosten sowie den Reifenkosten beachtlich.

Einsparnisse durch die Wahl eines um 10 PS schwächeren Motors über 3 Jahre

 

Klicken Sie auf die Tabelle, um diese zu vergrößern

Wie aus obiger Tabelle ersichtlich ist, kann die Wahl eines 10 PS schwächeren Motors rein kostentechnisch ein beachtliches Einsparungspotenzial bieten. Im Fuhrparkmanagement können Sie entsprechende Kosten durch die Reglementierung der Motorenwahl in einer Car-Policy lösen. Beachten Sie jedoch, dass eine solche Einschränkung auf einen kleinen Motor nicht in jedem Fall vorteilhaft ist. Insbesondere wenn Firmenwagen als Motivationsinstrument eingesetzt werden – bspw. zur Rekrutierung von gut ausgebildeten Mitarbeitern, Steigerung der Arbeitgeberattraktivität oder Mitarbeiterbindung –, könnte eine Reglementierung der Motorenwahl in der Car-Policy sehr unerwünschte Nebeneffekte haben.


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Im untersuchten Beispiel waren die zusätzlichen Kosten pro zusätzliche PS besonders hoch. Doch selbst wenn die Mehrkosten bei einem anderen Modell auch nur die Hälfte bzw. ca. 600 Euro jährlich betragen sollten, lohnt es sich Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen. Nach unseren Erfahrungen ist die Kostenanalyse in den meisten Fuhrparks nur schwer darstellbar, da die Datengrundlage fehlt. Bei unseren Berechnungen war es für uns vorteilhaft, dass Avrios alle Kostendaten aus Rechnungen automatisch ausliest und deshalb notwendige Informationen mit wenigen Klicks verfügbar sind.

Für weitere Tipps zum Fuhrparkmanagement empfehlen wir Ihnen das Avrios Praxishandbuch Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement 2018. Dort haben wir unsere Erfahrungen sowie Handlungsanleitungen zum Fuhrparkmanagement für Sie zusammengefasstUnter folgendem Link können Sie dieses kostenlos herunterladen:

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