humberger
cross
27. März 2017 Compliance

UVV-Fahrerunterweisung beim Dienstwagen: So geht’s

Geschrieben Von: Max Diez

Im 4. Teil unserer Blogserie über Halterhaftung und Unfallverhütungsvorschriften im Fuhrpark betrachten wir ein oft vernachlässigtes Thema: Die Fahrerunterweisung – landläufig auch als “Fahrer-UVV” bezeichnet. Zudem zeigen wir Ihnen direkt, wie Sie die Aufgabe möglichst effizient lösen können.

Worum geht es bei der UVV-Sicherheitsunterweisung für Fahrer?

Unter der Fahrerunterweisung (Fahrer-UVV) wird die Einweisung der Fahrer von Dienstfahrzeugen in die sichere Nutzung der Fahrzeuge verstanden. Diese Unterweisung ist als Teil der Halterhaftung in den Vorschriften der Berufsgenossenschaften geregelt (siehe DGUV Vorschrift 70 ehemals BGV D29). Somit ist sie von Gesetzes wegen Vorschrift. Im Rahmen der Fahrer-UVV sollen die Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und relevanten Vorschriften thematisiert werden.

Rechtsgrundlagen: §12 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz, BDUV 1 i.V.m DGUV Regel 100-001

Mehr über die rechtlichen Hintergründe der UVV im Fuhrpark erfahren Sie in unserem Beitrag über die Rechtsgrundlagen der UVV im Fuhrpark. Eine Übersicht zum Geltungsbereich der DGUV Vorschrift 70 sowie zu den UVV-Pflichten für Fuhrparkverantwortliche finden Sie in unserem Beitrag zur DGUV 70 für Fahrzeuge.

Wie sollte die Fahrer-UVV grundsätzlich ablaufen?

Ziel der Fahrer-UVV ist, dass die Fahrer über mögliche Gefahren bei der Nutzung der Dienstfahrzeuge unterwiesen werden. Dafür erstellt der Fuhrparkverantwortliche zunächst eine Liste der möglichen Gefahren (siehe unten). Anhand der Liste sollte ein Kurs zusammengestellt werden, der über die Gefahren aufklärt. Der Kurs kann manuell oder elektronisch stattfinden (siehe unten). Ungeachtet der Unterrichtsform muss während der Unterweisung ein Gespräch zwischen dem Mitarbeiter und dem Unterweisenden möglich sein, um Rückfragen direkt klären zu können. Die Inhalte sind verständlich zu vermitteln, und der Verantwortliche muss überprüfen, ob der jeweilige Mitarbeiter die Inhalte auch verstanden hat. In der Praxis werden dafür oft Verständnistests nach erfolgter Unterweisung mit Fragen zum Unterrichtsmaterial eingesetzt. Zur rechtlichen Absicherung sollte dokumentiert werden, dass der Fahrer unterwiesen wurde. Beispielsweise können Fuhrparkleiter und Kursteilnehmer ein Dokument gemeinsam unterschreiben.

Rechtsgrundlagen: DGUV 1 i.V.m. DGUV Regel 100-001

Vorlage für Inhalte der Fahrer-UVV

Da es sehr viele unterschiedliche Arten von Dienstfahrzeugen gibt, sagen die UVV-Vorschriften leider wenig über den Inhalt der Einweisung aus. Es heißt, dass Art und Weise sowie der Umfang einer Unterweisung in einem angemessenen Verhältnis zur vorhandenen Gefährdungssituation und der Qualifikation der betroffenen Person stehen müssen. Doch können Sie beispielsweise die folgenden Punkte bei der Erstellung der Gefahrenliste beachten:

  • Witterung bei Nebel, Regen und Schnee (Einschränkung der Sicht, Rutschgefahr, angemessene Geschwindigkeit, Beleuchtung, Reifenprofil, Frostschutz, Winterketten, Eiskratzer etc.)
  • Fahrzeug-Checks durch den Fahrer
  • Verhalten beim Unfall (Nutzung von Warnweste, Warndreieck, sicheren Standort suchen, Notrufnummern etc.)
  • Umgang mit Alkohol und Medikamenten (Einfluss von Alkohol, Restalkohol etc.)
  • Angepasster, defensiver Fahrstil
  • Ladungssicherung (Beachten Sie z.B. die Gefahren durch ungesicherte Kartons mit Broschüren auf Rücksitzen)
  • Umgang mit Stress und Ablenkung (Die BG Verkehr stellt beispielsweise ein PDF zum Umgang mit Ablenkung im Straßenverkehr zur Verfügung)

Neben den allgemeinen Gefahren, sollten Sie unbedingt auch Gefahren beachten, die das jeweilige Fahrzeug sowie Ihr Betriebsgelände betreffen. Bei neueren Fahrzeugen sollten Sie beispielsweise auf die Gefahren durch die Nutzung von Fahrassistenten eingehen. Beachten Sie unter anderem die Gebrauchsanweisung der jeweiligen Fahrzeuge, um Gefahren zu identifizieren. Üblicherweise bieten auch Fahrzeughersteller eine Einweisung in die Fahrzeuge an. Machen Sie sich Notizen bei der ersten Einweisung oder Kontaktieren Sie ihn betreffend seiner Unterlagen.

 Rechtsgrundlage: DGUV 70

Wie oft sollte die Fahrerunterweisung stattfinden?

Die Unterweisung sollte einmal bei der Einstellung bzw. bei der Übergabe eines neuen Fahrzeugs und danach mindestens einmal jährlich stattfinden. Zusätzliche Unterweisungen sollten stattfinden, wenn Mitarbeiter einen Unfall haben, sich unsicher verhalten oder Rückfragen haben.

Vorgehen bei manueller und elektronischer UVV-Fahrerunterweisung

Man kann die Fahrerunterweisung manuell oder elektronisch durchführen. Beachten Sie, dass bei beiden Formen aus rechtlicher Sicht die Möglichkiet zu Rückfragen vom Fahrer an den Unterweiser möglich sein muss. Weiterhin muss bei beiden zunächst eine Liste der möglichen Gefahren erstellt werden. Neben allgemeiner Gefahren ist insbesondere auch auf Gefahren zu achten, die sich durch den Fahrzeugtyp (beispielsweise automatisches Assistiersystem) oder die Nutzungsart (Beispielsweise Ladungssicherung Aussendienst-Fahrzeugen) zu achten.

  1. Manuelles Vorgehen: Anhand der Liste stellen Sie ein Kursprogramm zusammen. Um dieses zu unterrichten, genügt es aus rechtlicher Perspektive nicht nur die Unterlagen zu verteilen. Sie müssen sicherstellen, dass Kursteilnehmer Rückfragen stellen können. Weiterhin müssen Sie am Ende durch ein persönliches Gespräch oder einen Test überprüfen, dass die Kursteilnehmer den Inhalt verstanden haben. Am besten erstellen Sie dafür einen kurzen Test. Kursverantwortlicher und -teilnehmer sollten am Ende erfolgreiche Fahrerunterweisung durch eine Unterschrift dokumentieren.
  2. Elektronische Fahrerunterweisung: Die Inhalte können auch durch E-Learning vermittelt werden. Vorteile vor Fahrerunterweisung per E-Learning sind, dass die Inhalte stets auf dem neuesten Stand sind, kein Arbeitsuafwand für Fahrer und Fuhrparkleiter entsteht und alle Schritte zur Gesetzeskonformen Durchführung eingehalten werden, so z.B. die Dokumentation der erfolgten Unterweisung. Bei der elektronsichen Kontrolle sind Fahrer im System erfasst und werden über fällige Unterweisungen informiert. Sie erhalten einen Link, um die Unterweisung zu starten und können diese an einem mobilen Endgerät durchführen. Weiterhin wird eine Abschlusstest mit Zufallsfragen durchgeführt und bei Erfolg die erfolgreiche Unterweisung dokumentiert.Über ein solches elektronisches System kann für einen sehr grossen Teil aller Fälle die Unterweisung komplett abgedeckt werden. Beachten Sie jedoch, dass Sie zusätlich auch betriebs- oder fahrzeugspezfische Gefahren unterrichten müssen, wenn diese bei der anfänglichen Gefahrenbeurteilung festgestellt wurden.


Tipp: Avrios bietet Ihnen eine umfassen Flottensoftware an, welche sowohl vollständig integriert als auch als alleinstehende Lösung die elektronische Fahrerunterweisung anbietet.

Wie behalte ich den Überblick?

Wenn Sie die Unterweisung manuell durchführen, Dokumentieren Sie auf jeden Fall in einer Papierliste oder einem Excelfile, welcher Fahrer die Unterweisung besucht hat. Die Unterweisung findet oft an zentralen Terminen statt. Achten Sie unbedingt darauf bei Krankheit oder Urlaub von Fahrern, den Unterricht anschliessend nachzuholen. Eine Unterlassung der Unterweisung kann rechtlicher Folgen für Sie haben. Auch wenn Sie keine elektronische Unterweisung durchführen, kann Sie Fuhrparkmanagement Software dabei unterstützen, die Termine im Griff zu behalten.

Nutzen Sie ein elektronisches System, werden Fahrer automatisch informiert und erfolgte Kontrollen dokumentiert. So können Sie jederzeit die Erledigung Ihrer Pflichten nachweisen und es geht garantiert kein Fahrer vergessen.

Weiterführende Informationen

Die Fahrer-UVV sind Teil der sogenannten Halterpflichten. Möchten Sie mehr über die Halterpflichten erfahren und anwenderorientierte Handlungsanweisungen zu diesen erhalten, empfehlen wir Ihnen das Avrios Ebook Halterhaftung. Das Ebook geht auf die Halterhaftung, Unfallverhütungsvorschriften (UVV) und Führerscheinkontrolle ein. Zusätzlich finden Sie im Ebook praktische Vorlagen, um die Aufgaben zu erledigen.


Im Avrios Ebook Halterhaftung erhalten Sie praktische Vorlagen und Handlungs-anweisungen betreffend Halterhaftung, Unfallverhütungsvorsch

riften (UVV) und Führerscheinkontrolle 

Klicken Sie auf das Ebook, um zum Download zu gelangen. 


Weiterhin empfehlen wir Ihnen folgende Beiträge:

    1. Grundlagen zur Halterhaftung
    2. Wie die Halterpflichten von der Geschäftsleitung an Fuhrparktleiter rechtlich korrekt übertragen werden können
    3. Was Sie bei der Führerscheinkontrolle machen müssen
    4. Was Sie bei den Unfallverhütungsvorschriften (UVV) betreffend der Fahrzeugprüfung beachten müssen

Testen Sie Avrios noch heute.

Testen Sie Avrios noch heute.

DEMO ANFORDERN
Jetzt mehr erfahren

Avrios-Fuhrparknewsletter abonnieren

Erhalten Sie Fuhrparktipps und Updates von Avrios direkt in Ihre Inbox.