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Diesel-Fahrverbot: Was man als Fuhrparkbetreiber machen sollte

Die Entscheidung steht fest: Das Bundesverwaltungsgericht hat mit seinem Urteil vom 27. Februar 2018 den Weg für Diesel-Fahrverbote freigemacht. 2/3 aller deutschen Diesel-Fahrzeuge dürfen möglicherweise bald nicht mehr in die Innenstädte von Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg fahren – in weiteren 70 Kommunen könnte die Situation bald ähnlich aussehen. Von den möglichen Einschränkungen sind selbstverständlich auch Fuhrparks mit Dieselfahrzeugen betroffen.

Wie beim letzten Abgas-Skandal möchten wir Ihnen auch diesmal wieder mit Rat zur Seite stehen. Deshalb zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag, wie Sie eine Risikoanalyse durchführen können, um Ihren Fuhrpark auf drohende Fahrverbote vorzubereiten.

Die wichtigen Fakten zum Dieselverbot:

Um eine Handlungsstrategie als Konsequenz der drohenden Fahrverbote abzuleiten, müssen wir zunächst die aktuelle Faktenlage betrachten: Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist sehr neu - dementsprechend unsicher sind die entstehenden Konsequenzen. Bekannt ist, dass aufgrund hoher Schadstoffbelastung bis zu 70 Städte in Deutschland Diesel-Fahrverbote erlassen können. Zu diesen 70 Städten gehören fast alle großen Ballungsgebiete, wie beispielsweise Hamburg, Köln und München. Weiterhin ist bekannt, dass Hamburg ein Diesel-Fahrverbot erlassen möchte und Düsseldorf sowie Stuttgart die Einführung eines Diesel-Fahrverbots überprüfen werden.

Weiterhin sieht es aktuell danach aus, dass die möglichen Diesel-Fahrverbote zuerst Diesel-Fahrzeuge mit einer Abgasnorm von maximal EURO 4 betreffen werden. Ab dem 1. September 2019 könnten die Diesel-Fahrzeuge mit Abgasnorm EURO 5 hinzukommen. Aufgrund langwieriger politischer Prozesse erwarten viele Experten jedoch keine umfassenden Fahrverbote vor 2020. Mehr über die Hintergründe zum Fahrverbot erfahren Sie unserem Artikel über die wichtigsten Fakten zum Diesel-Fahrverbot.

Anhand dieser Fakten, können Sie nun eine Risikoanalyse erstellen. Diese können Sie in zwei Schritten durchführen:

  • Schritt 1: Identifikation der potenziell betroffenen Fahrzeuge
  • Schritt 2: Risikobeurteilung

Schritt 1: Identifikation der betroffenen Diesel-Fahrzeuge:

Wir empfehlen Ihnen, Ihren Fuhrpark schon jetzt auf ein drohendes Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge vorzubereiten. Dafür müssen Sie zunächst ermitteln, wie viele Fahrzeuge in Ihrem Fuhrpark von möglichen Fahrverboten betroffen sind. Dies können Sie anhand der Abgasnormen der jeweiligen Fahrzeuge herausfinden. Folgend zeigen wir Ihnen, wie Sie die betroffenen Fahrzeuge manuell sowie als Avrios-Nutzer mit wenigen Klicks erkennen können.

Diesel-Fahrzeuge manuell identifizieren

Möchten Sie die Fahrzeuge manuell identifizieren, müssen Sie die Fahzeugkategorie über die Fahrzeugscheine ermitteln. Dazu gilt es Fahrzeugscheine von vor und nach 2005 zu unterscheiden:

  • Bei Diesel-Fahrzeugen, welche vor dem 1. Oktober 2015 zugelassen oder umgemeldet wurden: Werfen Sie einen Blick auf den Fahrzeugschein. Auf der zweiten Seite, links oben sehen Sie das Feld "Schlüsselnummer zu 1".
  • Diesel-Fahrzeuge, welche ab dem 1. Oktober zugelassen oder umgemeldet wurden:  Nehmen Sie die Zulassungsbescheinigung Teil 1 zur Hand. Auf der zweiten Seite, links mittig sehen Sie die Felder 14 und 14.1 (Die Abgasnorm ist in Feld 14 festgehalten und wird in Feld 14.1 präzisiert). 

Endet die im Fahrzeugschein (Schlüsselnummer zu 1) respektive in der Zulassungsbedingung Teil 1 (Feld 14.1) angegebene Zahl auf 00 bis 88, so erfüllt das Diesel-Fahrzeug lediglich die Abgasnorm EURO 1 bis EURO 4. Endet die angegebene Zahl auf 35AO bis 35MO, dann erfüllt das Diesel-Fahrzeug die Abgasnorm EURO 5. Ihr Diesel-Fahrzeug erfüllt die Abgasnorm EURO 6, wenn die angegebene Zahl auf 36 und einem zweistelligen Buchstabenkürzel (z. B. 36NO bis 36YO) endet – dementsprechend müssen Sie sich um dieses Diesel-Fahrzeug keine Gedanken machen.

EURO 1-6 Abgasnormen identifizieren

Abbildung 1: Betroffene Diesel-Fahrzeuge manuell identifizieren

HINWEIS: Der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts bezieht sich nur auf Diesel-Fahrzeuge. Jedoch fordert die Deutsche Umwelthilfe, dass auch für alte Benziner ohne Oldtimer-Zulassung per H ein Fahrverbot verhängt wird – wenn diese maximal die Abgasnorm EURO 2 erfüllen (die angegebene Zahl endet auf 00 bis 43).

Diesel-Fahrzeuge automatisiert mit Avrios identifizieren

Avrios-Kunden können die betroffenen Diesel-Fahrzeuge in ihrem Fuhrpark ganz einfach über den "Umwelt & CO2"-Report identifizieren. In unseren "Umwelt & CO2"-Report ist zu jedem Ihrer Fahrzeuge dessen Abgasnorm in der Spalte "Abgasnorm" ersichtlich. Ordnen Sie den Report nach Abgasnorm, damit Sie auf einen Blick sehen, welche Diesel-Fahrzeuge in die Abgasnormen bis und mit EURO 5 fallen. Über die Export-Funktion können Sie diese Liste zudem mit einem Klick herunterladen und ausdrucken.

Der "Umwelt & CO2"-Report von Avrios zeigt Ihnen, welche Abgasnorm Ihr Fahrzeug erfüllt

Abbildung 2: Abgasnorm im automatischen "Umwelt & CO2"-Report von Avrios

(Klicken Sie auf das Bild, um dieses zu vergrößern)

Schritt 2: Risikobeurteilung

Nachdem die potenziell betroffenen Diesel-Fahrzeuge bekannt sind, müssen zur Risikobeurteilung deren Ausmusterungstermin, Finanzierungsart sowie Standort betrachtet werden.

Teilen Sie zuerst alle Fahrzeuge Ihres Fuhrparks in eine der folgenden drei Risiko-Hauptkategorien ein:

  • Risiko-Hauptkategorie 1: Diesel-Fahrzeuge mit einer Abgasnorm von EURO 1 bis und mit EURO 4
  • Risiko-Hauptkategorie 2: Diesel-Fahrzeuge mit der Abgasnorm EURO 5
  • Risiko-Hauptkategorie 3: Fahrzeuge, welche nicht vom Diesel-Fahrverbot betroffen sein werden

Die Fahrzeuge der Risiko-Hauptkategorien 1 und 2 gilt es nun, in Risiko-Unterkategorien zu unterteilen. Diese Risiko-Unterkategorien sind:

  • Risiko-Unterkategorie A: Diesel-Fahrzeuge ohne Risiko
  • Risiko-Unterkategorie B: Diesel-Fahrzeuge mit Wertverlustrisiko
  • Risiko-Unterkategorie C: Diesel-Fahrzeuge mit Fahrverbotsrisiko
  • Risiko-Unterkategorie D: Diesel-Fahrzeuge mit Wertverlust- und Fahrverbotsrisiko

Diese Unterteilung in Risiko-Unterkategorien können Sie anhand der Finanzierungsmethode und dem Ausmusterungstermin vornehmen. 

  • Ausmusterungstermin: Umfassende Verbote sind (wenn überhaupt) erst ab September 2019 oder 2020 zu erwarten. Da die meisten Fahrzeuge alle drei bis vier Jahre ausgetauscht werden, haben die Verbote also nicht zwingend einen Einfluss auf Ihren aktuellen Fuhrpark. 
  • Finanzierungsmethode: Potenzielle Wertverluste der Fahrzeuge sind für Sie als Leasingnehmer nicht wirklich relevant, wenn die Leasingfahrzeuge im Kilometerleasing laufen. Bei Kauffahrzeugen und Fahrzeugen im Restwertleasing sind Sie jedoch von Wertverlusten der Fahrzeuge betroffen. Bei diesen beiden Finanzierungsmethoden sollten Sie beachten, dass der Gebrauchtwagenmarkt nicht nur von Deutschland beeinflusst wird und die Wertverluste vermutlich geringer ausfallen, als zunächst anzunehmen.

Anhand des Ausmusterungsdatums sowie der Finanzierungsmethode können Sie die Diesel-Fahrzeuge folgendermaßen in die Risiko-Unterkategorien einordnen:

RISIKO-HAUPTKATEGORIE 1:

  • Kauffahrzeuge: Das Risiko besteht in drohendem Wertverlust und Fahrverboten (Risiko-Unterkategorie D)
  • Leasingfahrzeuge im Restwertleasing: Das Risiko besteht in drohendem Wertverlust und Fahrverboten (Risiko-Unterkategorie D)
  • Leasingfahrzeuge im Kilometerleasing: Das Risiko besteht in Fahrverboten (Risiko-Unterkategorie C)

RISIKO-HAUPTKATEGORIE 2:

  • Kauffahrzeuge: Das Risiko ist drohender Wertverlust und ab Sept. 2019 / Anfang 2020 Fahrverbote (Risiko-Unterkategorie D)
  • Leasingfahrzeuge im Restwertleasing mit Vertragsende vor Sept. 2019 / Anfang 2020: Das Risiko ist drohender Wertverlust (Risiko-Unterkategorie B)
  • Leasingfahrzeuge im Restwertleasing mit Vertragsende nach Sept. 2019 / Anfang 2020: Das Risiko besteht in drohendem Wertverlust und Fahrverboten ab Sept. 2019 (Risiko-Unterkategorie D)
  • Leasingfahrzeuge im Kilometerleasing mit Vertragsende vor Sept. 2019 / Anfang 2020: Es besteht kaum Risiko, da keine Konsequenzen zu erwarten sind (Risiko-Unterkategorie A)
  • Leasingfahrzeuge im Kilometerleasing mit Vertragsende nach Sept. 2019 / Anfang 2020: Das Risiko besteht in Fahrverboten ab Sept. 2019 (Risiko-Unterkategorie C)

Bilden Sie diese Gruppen manuell, erhalten Sie die Daten wahrscheinlich aus den jeweiligen Leasingverträgen. Sind Sie Avrios-Kunde, nutzen Sie die Filterfunktion in der Fahrzeugübersicht und Sie haben eine Übersicht für jede Gruppe mit wenigen Klicks zusammengestellt.

Als letzten Schritt der Risikoanalyse sollten Sie einen Wechsel der betroffenen Fahrzeuge an einen anderen Firmenstandort überprüfen. Es sind nur ausgewählte Städte von den Fahrverboten betroffen. Hat Ihr Unternehmen mehrere Standorte, so können Sie unter Umständen Fahrzeuge unter diesen Tauschen und selbst Fahrzeuge der EURO 3 Norm stellen kein wirkliches Risiko für Ihren Fuhrpark da. Folglich können Sie evtl. erneut einige Fahrzeuge als nicht risikobehaftet kategorisieren. Als Avrios-Kunde können Sie dafür die Fahrzeuge ganz einfach nach Standort filtern.

Basierend auf den Daten des Umweltbundesamtes hat die Süddeutsche Zeitung eine Karte erstellen, welche die Orten mit kritischen Grenzwerten zeigt. Alle Orte, die die kritischen Grenzwerte überschreiten, können Fahrverbote erlassen. Folgen sehen Sie die Karte: 

Karte_NO2_Ueberschritten.png

Abbildung 3: Deutsche Städte mit kritischen NO2-Grenzwerten

 Fazit

Zusammenfassend gilt es festzustellen, dass das tatsächliche Risiko aus den drohenden Fahrverboten bedeutend geringer ist, als die Medienberichte zum Teil vermuten lassen. Weiterhin sind die Konsequenzen noch nicht bekannt. Der Städte und Kommunen machen bekanntlich nicht von jedem ihnen erteilten Recht auch gebrauch. Fahrverbote gehören garantiert zu den politisch kritischeren Maßnahmen, welche nur mit Bedacht umgesetzt werden. Gerne verfolgen wir bei Avrios auch weiterhin die aktuellen Entwicklungen für Sie. Melden Sie sich für unseren Newsletter über Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement an, um auf dem Laufenden zu bleiben. Für Kunden unserer Avrios-Fuhrparkverwaltungslösungen, werden wir mögliche Änderungen im Recht direkt umsetzen und helfen Ihnen betroffene Fahrzeuge ganz einfach mit wenigen Klicks zu identifizieren. Da Avrios eine Cloudlösung ist, profitieren alle Kunden entsprechende Updates tagesaktuell.

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